Management von Wartungsprojekten

Beschreibung

Die Wartung ist die bei weitem längste und teuerste Phase im Lebenszyklus eines Softwaresystems. Man weiss heute, dass die Wartung ca. 2/3 des Gesamtaufwands für den Bau und Betrieb eines Softwaresystems (von der ersten Vision bis zur Stilllegung) ausmacht. Dennoch wird diesem Aspekt in den Entwicklungsphasen seltsamerweise immer noch viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Man muss sogar sagen, dass die Wartung von Softwaresystemen als letzte Phase des Software Lifecycles noch immer bzgl. ihrer Komplexität und der Notwendigkeit geeigneter Methoden und Werkzeuge zur angemessenen Durchführung unterschätzt wird.

Angesichts der immensen Kosten und hohen Risiken ist es in vielen Fällen durchaus angemessen, die Wartung als eigenständiges Projekt anzusehen und zu managen. Es gibt drei Gründe für Wartungsarbeiten, d.h. dafür, dass ein existierendes Produkt verändert werden muss:

  • Fehler müssen behoben werden,
  • Funktionelle Veränderungen (Erweiterungen, Anpassungen) müssen vorgenommen werden,
  • Architekturänderungen bzw. nicht-funktionelle Änderungen wie Verbesserung der Performanz, Portierungen auf andere Systemplattformen, Restrukturierungen (etwa in Richtung Client/Server-Organisationen) und Optimierungen sind nötig.

Schließlich haben alle Wartungsarbeiten das Ziel, die Attraktivität des Produkts am Markt und damit seine Profitabilität zu erhalten bzw. zu erhöhen. Sie haben i.a. also durchaus eine nennenswerte Rentabilität.

Ein Produkt entwickelt sich durch Wartung im Lauf der Zeit weiter, durchläuft also einen Evolutionsprozess. Und da jedes Wartungsprojekt auf einer bestehenden Produktversion aufsetzt, sind wartbarer Quellcode und aussagefähige Dokumente, die bei der Erstellung früherer Versionen entstanden sind, für den Erfolg ausschlaggebend. Dies ist nur eine der Besonderheiten von Wartungsprojekten.

Wegen der hohen Kosten und Risiken der Wartung und ihrer Bedeutung für den geschäftlichen Erfolg eines Softwareprodukts ist es für alle Verantwortliche und Beteiligte unabdingbar, sich mit den Besonderheiten von Wartungsprojekten und den Managementmethoden und Werkzeugen für ihre erfolgreiche Durchführung vertraut zu machen.

Die Teilnehmenden werden den Wartungs-Lifecycle für Software und die Gesetze der Softwareevolution im Detail kennenlernen, wobei die thematischen Schwerpunkte bei den Unterschieden zwischen Wartungs- und Entwicklungsprojekten, der Rolle des Releasemanagers, dem Changemanagement, der Legacy-Systeme, dem Reverse- und Re-Engineering, dem Refactoring, den Change Patterns und dem Design for Change liegen. Ganz besonderer Wert wird auf eine ganzheitliche Behandlung der Softwarewartung gelegt. Die Teilnehmenden werden also neben dem Management technischer Probleme auch die nicht-technischen Managementaspekte wie die Behandlung von Organisations- und Personalproblemen kennenlernen. Anhand von Übungen und Praxisbeispielen werden sie die sog. „best practices” der Softwarewartung und der Aufrechterhaltung der Wartbarkeit erarbeiten.
 

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