Geschäftsprozesse explorieren, modellieren und optimieren

Übersicht
  • Konzepte und Anwendungen
  • Rechnerunterstützung, Werkzeuge
  • Stand der Technik
  • Neuere Entwicklungen
  • Performance Management für Geschäftsprozesse
     

08.04 - 09.04.2010 in Neu-Ulm
Referenten: Prof. Dr. Peter Dadam, PD Dr. Stefanie Rinderle-Ma

Die Sicherung der Produktqualität, die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sowie schnelles und flexibles Reagieren auf Marktveränderungen sind heute mehr denn je wesentliche Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Um dies aber erreichen zu können, müssen die betrieblichen Strukturen und Abläufe erfasst und optimiert werden, d.h. es muss immer wieder ein Geschäftsprozess-Reengineering stattfinden. Werkzeuge zur Modellierung und Analyse von Geschäftsprozessen sind hierzu unerlässlich. Das setzt aber voraus, dass man ihre Möglichkeiten nutzen und ihre Grenzen realistisch einschätzen kann.

Ein erfolgreiches Geschäftsprozess-Reengineering setzt zunächst die Erfassung bzw. Exploration der Geschäftsprozesse voraus, damit sie später analysiert, optimiert und eventuell auch automatisiert werden können (z.B. in einem Workflow-Management-System).

Die geeignete Modellierung der Geschäftsprozesse ist ebenfalls sehr wichtig. Für kleinere, überschaubare Projekte mag eine intuitive Vorgehensweise ausreichen, unterstützt durch einfache "Malprogramme" mit passenden Prozesssymbolen. Für größere Projekte ist jedoch eine systematische Vorgehensweise dringend angeraten, unterstützt durch geeignete Werkzeuge. Nur dadurch kann man den Pflege- und Koordinationsaufwand und das Fehlerrisiko in Grenzen halten.

Der dritte wichtige Aspekt ist die Prozessanalyse und -optimierung, eine hochgradig intellektuelle Tätigkeit. Moderne Werkzeuge - geeignet eingesetzt - können auch hierzu sehr wertvolle Hilfe leisten, indem sie z.B. helfen, Schwachstellen zu identifizieren und alternative Prozessmodelle zu vergleichen und zu bewerten. Das Spektrum der Möglichkeiten reicht dabei von der visuellen Prozessbeobachtung (Animation) über statische Analysen auf Modellebene bis hin zur Simulation des dynamischen Verhaltens bei paralleler Ausführung vieler Prozesse.

Insbesondere die Prozessexploration ist derzeit in der Praxis oft sehr zeitaufwendig, teuer, fehleranfällig und störend, da meist mit Interviews, Beobachtungen, Fragebögen und Schätzungen gearbeitet wird, alles Techniken, deren Ergebnisse oft weit von objektiven Fakten weg liegen.

In der Forschung arbeitet man deshalb sehr intensiv an Verfahren, um die Prozessexploration zu objektivieren und ihren Aufwand erheblich zu reduzieren. Besonders viel versprechend ist das sog. Process Mining. Hierbei werden die aufgezeichneten Protokolle von Anwendungsausführungen mit mathematischen Verfahren ausgewertet, um daraus die zugrunde liegenden Prozessschemata abzuleiten. Es hat bereits einen recht hohen Reifegrad erreicht, so dass man wohl bald erste Produkte erwarten darf. Andere interessante Ansätze sind die kontinuierliche Entwicklung von Prozessen aus anfänglichen Prozessfragmenten (Emergent Processes) und die modellgetriebene Entwicklung von Prozessen.

Thema:
verwandte Themen: